1.
Allgemeines
Die vier
Prinzipien des ÖCV lauten:
- religio
(Religion, Glaube, Katholizitätsprinzip)
- patria
(Vaterland, Heimat)
- scientia
(Wissenschaft, Bildung)
- amicitia
(Lebensfreundschaft)
Die Interpretationsmöglichkeiten der vier Prinzipien sind vielschichtig und umfassend. Im Laufe der Geschichte
des (Ö)CV haben sich die Prinzipien und deren Auslegung verändert. So
gab es zur Zeit der Gründung der Norica noch das Prinzip Antiduellität
als Abgrenzungskriterium gegenüber den schlagenden Korporationen und das
Prinzip der Sittlichkeit. Die umfassendsten Veränderungen erlebte das
Prinzip patria, das erst 1908 eingeführt wurde. Zu dieser Zeit verstand
man darunter grundsätzlich das Bekenntnis zu Kaiser und Monarchie. Dieses
wandelte sich nach dem 1. Weltkrieg in eine pro-republikanische Haltung.
Obwohl die einzelnen Verbindungen immer demokratisch organisiert waren,
war die Stellungnahme des Verbandes zur Demokratie nicht immer eindeutig
(siehe Ständestaat). Nach dem zweiten Weltkrieg stand das Bekenntnis zum
demokratischen Rechtsstaat außer Zweifel. Der Patriotismus des Verbandes
wurde immer als Gegensatz zur Einstellung der nationalliberalen Verbindungen
aufgefaßt.
Eine grundsätzliche
Interpretation der Prinzipien findet man in den Satzungen des ÖCV und
eine umfassendere in der Charta 1994.
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2.
Auszug aus der ÖCV-Satzung
Als Denkanregung
die Artikel III bis VI der Satzungen des ÖCV:
Religion
Der ÖCV bekennt
sich zum katholischen Glauben. Als Gemeinschaft von Katholiken ist der
ÖCV verpflichtet, den Sendungsauftrag der Kirche mitzuerfüllen.
Die Verbindungen
des ÖCV verlangen von ihren Mitgliedern eine gewissenhafte religiöse Bildung,
eine ökumenische Geisteshaltung und ein Leben nach christlichen Grundsätzen
im privaten und öffentlichen Bereich.
Vaterland
Der ÖCV bekennt
sich zum souveränen Staat Österreich und seinen aus der Geschichte und
Lage gewachsenen besonderen Aufgaben.
Die Verbindungen
des ÖCV wollen ihre Mitglieder zu verantwortungsbewußten und weltoffenen
Staatsbürgern erziehen und verlangen von ihnen eine auf soziale Verantwortung
gegründete Liebe zu ihrem Vaterland in völkerverbindender Gesinnung.
Wissenschaft
Der ÖCV bekennt
sich zum Wert unvoreingenommenen Strebens nach Wahrheit. Nach Überzeugung
des ÖCV verpflichtet die akademische Ausbildung nicht nur zu Leistung
in Studium und Beruf, sondern auch zu erhöhter Verantwortung in der Gesellschaft.
Die Verbindungen
des ÖCV sehen in ihrer Bildungsarbeit eine Ergänzung des Hochschulstudiums.
Lebensfreundschaft
Der ÖCV bekennt
sich zur Idee der Brüderlichkeit, die er in Verbindung und Verband in
besonderer Weise zu verwirklichen sucht.
Die Verbindungen
des ÖCV verlangen von ihren Mitgliedern jenes Maß gemeinsamen Lebens nach
den Prinzipien Religion, Vaterland und Wissenschaft, aus dem die Lebensfreundschaft
entsteht. Aus dieser Gemeinsamkeit haben alle Mitglieder der Verbindungen
des ÖCV den Anspruch auf redliche Hilfsbereitschaft und bewußten Vertrauensvorschuß.
Äußeres Zeichen
der Freundschaft zwischen allen Mitgliedern der im ÖCV zusammengeschlossenen
Verbindungen ist das brüderliche ”Du”.
Markus Figl und Otto Randl
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