1.
Zum Namen der Verbindung
A. Das
Königreich Noricum
Der Name leitet sich mit größter Wahrscheinlichkeit von der im Raum des heutigen
Österreich bekannten vorrömischen Göttin Noreia ab. Das norische Königreich
- regnum noricum - war kein einheitliches Staatsgebilde, sondern ein keltisches
Stammesreich, dessen Anfänge in die Zeit zwischen 186 und 170 v Chr fallen.
Das regnum noricum war der erste Staat auf österreichischem Boden.
Ca 45 n Chr wurde es eine römische Provinz - das keltische Element verschwand
keinesfalls; wurde sogar teils geduldet - und der späteste Zeitpunkt für
den Untergang des norischen Volkstums, welches auf Grund der gemachten
Erfahrung antigermanisch war, kann mit ca 568/569 n Chr - Ende der Völkerwanderungszeit
- datiert werden.
zurück
B.
Der hl. Severin von Noricum - Patron der Verbindung
In der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts versuchte Severin, ein aus dem
Osten stammender Mönch - er war weder Bischof noch Priester - die schutzlosen
Christen Ufernoricums, die von Rugiern, Alemannen, Thüringern und Goten
bedroht wurden, religiös und sozial zu betreuen. Von Favianis (Mautern),
dem Zentrum seiner Tätigkeit, erstreckte sich sein Wirken auch nach Rätien
und Binnennoricum. Die germanischen Herrscher wurden durch diesen Apostel
Noricums zu rücksichtsvollerem Verhalten gegenüber den Provinzialbehörden
angehalten. Severin kommt das Verdienst zu, das schwer gefährdete Christentum
unserer Heimat vor gänzlicher Vernichtung bewahrt zu haben. Man kann ihn
wohl als den ersten "Caritaspräsidenten Österreichs" bezeichnen.
Er starb am 8. Jänner 482 in Favianis und sein Leichnam wurde von den
Römern bei ihrem Abzug 488 mitgenommen. Seit 1807 befindet sich die sterbliche
Hülle des Heiligen in der Kapelle der Pfarrkirche zu Frattamaggiore bei
Aversa (nördl von Neapel). Severin ist u a Patron der Winzer und Weinberge,
ist einer der Schutzheiligen Österreichs (Österr Landespatron ist der
hl Leopold, 15. Nov) und Patron unserer Verbindung.
Anläßlich der Übernahme des Vorortes für 1929/30 seitens der Norica wurde
beim Osttiroler Holzschnitzer Josef Troyer eine Statue des Verbindungspatrons
in Auftrag gegeben, welche sich auf der Nc-Bude befindet. Troyer schuf
nach 1945 den überwiegenden Teil der skulpturalen Neuschöpfungen im Wiener
Stephansdom und hat sich große Verdienste um eine moderne österr Kirchenkunst
erworben (Bbr Bernhard Böhler hat sich mit diesem Thematik eingehend auseinandergesetzt.).
In der Einladung zur feierlichen Enthüllung der Statue im Jahre 1930 wird
der Zusammenhang zwischen dem Heiligen und der Verbindung formuliert:"...
Kultur setzt Verwurzelung, ein wirkliches Lebendigsein all der geschichtlichen,
geistigen und gefühlsmäßigen Zusammenhänge mit Glauben, Volkstum und Heimat
voraus. So wollen wir uns denn auch erinnern, daß unserer Verbindung mit
dem von unserem Stifter Alten Herrn Pfarrer Düringer gegebenen Namen Norica
auch ein Patron gegeben wurde, den wir nun auch in seine Rechte einsetzen
wollen. ..." . Jedes Jahr am 8. Jänner, Gedenktag des hl
Severin, feiert Norica in der Sieveringer Pfarrkirche St Severin
(Wien XIX), die hl Messe, und anschließend findet der Severini-Bummel
statt. Im nördl Seitenschiff der Sieveringer Kirche befindet sich eine
von Norica 1953 gestiftete Severinstatue, unter die 1983 anläßlich
des hundertjährigen Bestehens der Verbindung eine Tafel angebracht wurde.
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2.
Gründung und Geschichte
A.
Das Jahr 1883 und die Gründungsphase
Der 1876 gegründete katholisch gesellige Studentenverein war der Ausgangspunkt
eines katholischen Vereins auf universitärem Boden. Am 21. November 1876
kam es zur Gründung der katholisch geselliger Studentenverein der Wiener
Hochschulen (1893 in die kath Studentenverbindung Austria-Wien
umgewandelt). Nachdem aus den Statuten jede politische und nationale Tendenz
entfernt wurde, genehmigte die Behörde am 23. März 1878 diesen ersten
katholischen Studentenverein. Vier Burschen der kath Studentenverbindung
Austria-Innsbruck (gegründet 1864), die in Wien studierten, erreichten
die langsame Angleichung an die Sitten und Gebräuche einer Couleurverbindung
und die Erweiterung des Vereinsnamens auf Katholischer Studentenverein
der Wiener Hochschulen Austria. Im WS 1883/84 faßten zwei Mitglieder
und fünf Kandidaten des Vereines nach internen oftmaligen Auseinandersetzungen
den Entschluß, dem Vorbild der Austria-Innsbruck gemäß in Wien
die erste katholische farbentragende Studentenverbindung, die Norica,
zu gründen. Vinzenz Rabenlechner, ein Wortführer der Reformer, wurde in
seinem Vorhaben vom deutschen CV bestärkt. Die Wünsche der Reformer nach
Einführung von Band - die Erlaubnis zum Tragen wurde erst nach mühseligen
Bemühungen jedem freigestellt - und Deckel wies man seitens des Vereines
bei jeder passenden Gelegenheit zurück. Am 23. Dezember 1883 faßten
die aus dem kath Studentenverein Austria "Ausgeschiedenen"
den Beschluß die KaV Norica zu gründen. Norica
wurde die Aufnahme in den CV mit 12. März 1884 gewährt und
war damit die zweite österr Verbindung (nach Austria-Innsbruck)
im CV. Stifter der Verbindung waren Dr iur Vinzenz Rabenlechner
und Msgr Johann Peter Düringer. Als geborener Vorarlberger und Brixener
Student hatte Düringer (später Stadtpfarrer in Röns/Vlbg) von Innsbruck
und München her - auf seiner ersten Studentenfahrt nach Wien weilte er
in München - unter den ersten Männern der Stunde wohl die klarste Vorstellung
von Art und Wesen einer kath farbentragenden Verbindung. Der Verbindungsname
- vom geschichtlichem Noricum entnommen - und die Farben weiß-blau-gold
(blau-gold für NÖ, weiß-gold für die Kirche) stammen von Düringer. Düringer
verließ nach einem Jahr die Wiener Universität (Studium der Rechtswissenschaften)
und trat in das Brixener Priesterseminar ein. Somit "brachte"
er erstmals den Geiste Noricae nach Südtirol. Rabenlechner (später
Rechtsanwalt in Wien), der erste Nc-Senior, vereinigte in seinem Wesen
die urwienerischen Eigenschaften (Lebhaftigkeit des Geistes, Humor, Kritizismus,
deutsche Gesinnung und tiefe österr Vaterlandsliebe). Er sah in Österreich
die Katholiken in die Ecke gedrückt und den katholischen Glauben mißachtet.
In Deutschland hingegen - ausgelöst durch den preußischen Kulturkampf
- erlebte er ein felsenfestes öffentliches Credo und die wachsende Geltung
der Katholiken Deutschlands - durch den CV mitgetragen - fesselten seinen
Geist. In seinen Wünschen wurde er zum CV gelenkt und Rabenlechner wollte
den katholischen Glauben in Österreich wieder zu seiner einstigen Größe
verhelfen. Die Ausrichtung als katholische Studentenverbindung
war einerseits im vorhin Genannten bedingt, andererseits in der Situation
in Österreich. Studentisches Verbindungswesen wurde zu dieser Zeit hierzulande
mit liberaler oder rebellisch nationaler, unösterreichischer Gesinnung,
alldeutschem Bismarck- und Hohenzollernkult, Paukereien und Duellen gleichgesetzt.
Das Inerscheinungtreten Noricas als katholische farbentragende
Verbindung begegnete dementsprechend zunächst auch in katholischen Kreisen
auf Erstaunen und Befremden. Durch öffentliches Auftreten, Kommunikation
mit hohen kirchlichen Würdenträgern - bis zum Papst - und der Ernsthaftigkeit
im inneren Bereich konnten die Bedenken meist zerstreut werden. Weiters
trat Norica durch eine vorherrschende unbedingte Loyalität zu Österreich,
zum Kaiserhaus und der Habsburgermonarchie sowie dem Verbot des Duells
an die Öffentlichkeit.
Die großdeutsche Einstellung in der Zwischenkriegszeit im Verband und die
diesbezügliche Resolution 1921 wurde von Norica entschieden abgelehnt.
Norica wollte sich in der Anschlußfrage nicht auf ein staatspolitisches
Programm festlegen; im Sinne des Paragraphen "daß dem CV jede politische
Betätigungfern liege". Dies hat aber zu dieser Zeit ein "deutsches
Denken" nicht ausgeschlossen; ein Denken, das erst 1938 aufgegeben
wurde. Dieser Zeitabschnitt und das Verständnis von "deutsch"
sind eine äußerst komplizierte Thematik, welche hier nicht annähernd zufriedenstellend
behandelt werden kann (siehe daher Buch: 100 Jahre Norica von den
Bbr Bbr Bernhard Moser und Otto Tschulik).
B.
Das Jahr 1933 und die Auswirkungen
Die Norica hatte auch zu fremdnationalen katholischen Vereinen ein
gutes Verhältnis. So leistete Norica "Geburtshilfe" bei
der slowenischen Verbindung Danica.
Der große Bruch mit dem deutschen Verbandsteil des CV war durch die
Loyalitätserklärung des CV durch den Vorort Aenania an Reichskanzler
Hitler vorprogrammiert. Die Ereignisse überschlugen sich, wie z B der
Antrag der Rheno-Palatia Breslau auf Ausschluß der Innsbrucker
Verbindungen und den Ausschluß von Bundeskanzler Dollfuß und Heeresminister
Vaugoin; oder der Vorort Aenania stellte den Antrag auf Wiederaufnahme
von Nationalsozialisten in den CV. Erstgenanntes führte zur Bandverleihung
vieler österr Verbindungen an Dollfuß, bei letztgenanntem waren fast alle
österr Verbindungen geschlossen dagegen (und die deutschen dafür).
Am 29. Juni 1933 kam es zu einer Ausschußsitzung des österr CV, auf der die
Abtrennung des österr Verbandsteiles endgültig fixiert wurde. Die neuen
Satzungen des nunmehrigen ÖCV wurden angenommen und Norica
für die Dauer von zwei Jahren zum Vorort gewählt. Im Abschaltungsbrief
von Vorort Norica an Vorort Aenania lautet es u a:"...
daß die österreichischen Verbindungen des CV mit dem 10. Juli 1933
ihre Abspaltung vom reichsdeutschen CV vorgenommen haben. ...".
Norica hat hiermit den Grundstein in der Geschichte des ÖCV gelegt. Ein Schritt
der bewirkte, daß der ÖCV nach 1945 mit erhobenem Haupt in die Öffentlichkeit
treten konnte. Während der deutsche CV von Nationalsozialisten beachtlich
unterwandert war, war dem beim ÖCV nicht so. Die Ereignisse von 1938
waren daher für den Großteil des ÖCV verheerend. Mit 1938 trat
Norica in die siebenjährige Epoche ihrer Illegalität.
Bereits in den Märztagen des Jahres 1938 wurden zahlreiche Bbr Bbr verhaftet und
einige von ihnen, u a auch Bbr Leopold Figl, wurden mit dem ersten Transport
ins KZ Dachau verschleppt. Figl und eine Reihe weiterer Bbr Bbr hatten
jahrelang KZ- und Kerkerhaft zu erdulden. Bbr Julius Raab hat 1938 in
das Gästebuch seines Freundes Bbr Leopold Figl eingetragen "...
Österreich muß bleiben rot-weiß-rot bis in den Tod ..." oder
1944 "... Österreich ist, wird sein, wird bestehen....".
Mit dem ersten Cumulativconvent am 27. Mai 1945 nahm Norica ihre
Tätigkeit wieder auf. Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß sich eine
kleine Zahl der illegalen NSDAP angeschlossen hatte oder ihr beitrat.
Die späteren Untersuchungen des besonderen Nc-Verbindungsgerichts bestätigten,
daß der überwiegende Teil der Bbr Bbr an seiner österreichischen Einstellung
festgehalten hatte und dem Anschluß an ein nationalsozialistisches Deutschland
ablehnend gegegenübergestanden war. Das besondere Verbindungsgericht verweigerte
nur einigen wenigen, nach strengen Überprüfungen, die Wiederaufnahme.
Figl und Raab seien stellvertretend für jene Bbr Bbr erwähnt, die während
der NS-Zeit den Aufbau Österreichs planten und nach 1945 in Angriff nahmen.
3. Zeitgeschichte
A.
Norica, Norica Nova und der ÖCV 1983 - 2003
Gründung der Norica Nova 1985
Seit Jahren hatte man auf der Norica Bude immer wieder über die Notwendigkeit diskutiert, katholischen
Studentinnen die Möglichkeit einer verstärkten Zusammenarbeit zu eröffnen.
Im Sommersemester 1984 wurden diese Überlegungen konkret. Eine Handvoll
Studentinnen aus dem Umfeld der Norica, die auch schon zuvor häufig die
Bude frequentiert hatten, bekundete wachsendes Interesse an einer aktiven
Teilnahme am Verbindungsleben, viele Noricer bestärken sie dabei.
Konsequenterweise wurde im folgenden Semester am BC der Beschluss gefasst, eine
Vollintegration von Studentinnen anzustreben. Zugleich wurde eine
Kommission eingesetzt, die ein „Damenstatut“ ausarbeiten sollte. Das
Statut, das den Studentinnen immerhin eine Reihe von Rechten zugestanden
hätte, wurde zwar mehrheitlich begrüßt, die dafür benötigte
Drei-Viertel-Mehrheit wurde am Cummulativconvent (CC) im Juni 1985 jedoch
nicht erreicht.
Nach einer „Nachdenkpause“ im Sommer gingen fünf junge Studentinnen in die Offensive
und hoben am 8. Oktober 1985 die Norica Nova als eigenständigen Verein aus
der Taufe. Die Namen der Gründerinnen: Christine und Michaela Bitschnau,
Elisabeth Freytag, Christine Michalitsch und Michaela Steinacker. Am 20.
März 1986 fand die offizielle Vorstellung der K.a.V. Norica Nova statt,
deren weiß-blau-goldene Weinbänder die enge Verbindung zur „männlichen“
Norica augenscheinlich dokumentierten. Die Veranstaltung wurde ein
gigantischer Erfolg, weit über 200 Gäste feierten den jüngsten Spross des
katholischen Coleurstudententums. Am gleichen Abend wurden Rezeptionen
und Filiaturen (Aufnahme als Vollmitglied) vorgenommen und die
Ehrenpatronessen Dr. Marlies Flemming, Dr. Edith Mock und Dr. Annemarie
Bernau vorgestellt.
Mit massiver Unterstützung der Norica kam es in den
folgenden Semestern zu einer engen inhaltlichen und organisatorischen
Zusammenarbeit der beiden juristisch getrennten Verbindungen. Die Norica
Nova (NcN) hielt ihre eigenen Convente ab und erfreute sich bald einer
stetig wachsenden Schar von Fuchsen, die auf gemeinsamen FC’s in das
Verbindungsleben eingeführt wurden und werden. Die inhaltliche,
programmatische und organisatorische Arbeit wurde schon bald nach der
Gründung von den ChC’s beider Verbindungen gemeinsam geleistet. Gegen Ende
der 80er Jahre wurde schließlich der anfangs veranstaltete „Festakt“ der
Norica Nova im Vorfeld der Norica Kommerse durch einen gemeinsamen Kommers
mit den Burschungen und Filiaturen ersetzt – ein weiterer Schritt zur
gemeinsamen Verbindung.
Der Weg zur
Vollintegration weiblicher Studierender
Auch auf der Ebene des Gesamtverbandes fand die Idee weiblicher CVer immer mehr Anhänger. Nachdem
der vom damaligen Vorort Austria Innsbruck auf der CVV 1991 forcierte
„Antrag 17“, der eine Aufnahme von Frauen in die Cartellordnung ermöglicht
hätte, nicht die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit gefunden hatte, trat
die unklare juristische Situation im Verband besonders deutlich zu Tage.
Da man immer am Boden des CV-Rechtes agieren wollte, bat man den
Rechtspfleger, Univ. Prof. Dr. Wolfgang Mazal, NbW, um ein Rechtsgutachten
zur Causa Prima. Im November 1991 lag das Gutachten schließlich vor. Ein
Auszug: „Ich selbst bin daher der Auffassung, daß eine Aufnahme von
weiblichen Studierenden in eine ÖCV-Verbindung de lege lata zulässig
ist.“ Jene, die schon zuvor diese Auffassung vertreten hatten, fühlten
sich bestätigt.
Schon am 15. Jänner 1992 setzte der BC der Norica den nächsten entscheidenden Schritt.
Folgender Antrag wurde mit deutlicher Mehrheit beschlossen: „Die Aktivitas
der K.a.V Norica setzt sich zum Ziel, katholische Studentinnen als
vollberechtigte Mitglieder in die Verbindung aufzunehmen.“ Die Norica
hatte also ihre Karten klar auf den Tisch gelegt, spätestens ab diesem
Zeitpunkt mußte jedem klar sein, daß sich die immer weiter prosperierende
Norica Nova nur als juristische Übergangslösung auf dem Weg zur
Vollintegration verstand.
Nachdem eine schriftliche Meinungsumfrage innerhalb der Altherrenschaft Noricae ein
ähnlich positives Stimmungsbild erbracht hatte, ging man an die
Vorbereitung eines Cummulativconventes, der dann am 16. Jänner 1993 im
Austria Center Vienna über die Bühne ging. Ein einziger Antrag: In die
Geschäftsordnung der Norica sollte die Möglichkeit einer Mitgliedschaft
von Frauen vorgesehen werden. Der Antrag verfehlte knapp die
Zwei-Drittel-Mehrheit. Und dann passierte etwas, das die Burschen und
Filiae beider Verbindungen schon bei früheren „Rückschlägen“ ausgezeichnet
hatte: Man steckte den Kopf nicht in den Sand, resignierte nicht, leistete
in den folgenden Jahren Überzeugungsarbeit und versuchte „Hirne und
Herzen“ der Bundesbrüder zu gewinnen.
Mit Erfolg: Am 15.Juni 1996 wurde erneut ein CC einberufen, hunderte Noricer fanden sich im
Julius Raab Saal der Bundeswirtschaftskammer in Wien ein, um Geschichte zu
schreiben. Mit einem Votum von jenseits der 70 Prozent wurde diesmal die
notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit klar erreicht. Folgender Passus wurde in
die Geschäftsordnung der K.a.V. Norica aufgenommen: „Als Mitglieder der
K.a.V. Norica können männlich und weibliche Studierende aufgenommen
werden.“ Die Idee wurde zur greifbaren Realität.
Grenzen für die Vollintegration
weiblicher Studierender?
Diese deutliche Meinungsäußerung aktivierte allerdings nach kurzer Zeit die Gegner im ÖCV.
Auf Antrag des WCV fasste das oberste CV Gericht (OCVG) den Beschluss, die
Entscheidung des CC vom 16. Juni 1996 für nichtig zu erklären. Dies obwohl
der CC Beschluss in der Präambel klar festhielt, dass die rechtlichen
Änderungen in der Norica von unseren ChC’s nur in Abstimmung mit dem ÖCV
Recht wirksam werden können und sollen. Die Begründung des OCVG lautete
nicht Verstoß gegen die Cartellordnung bzw. die Satzungen des ÖCV, sondern
Nichteinhaltung eines Beschlusses der CVV 1981 / Feldkirch. Damals - zu
Beginn des Themas Frauenintegration – beschloss „man“, Studentinnen nur in
eigenen Verbindungen aufzunehmen und diesen seitens des ÖCV ein
Freundschaftsabkommen anzubieten.
Damit blieb für Norica und Norica Nova nur der Weg erneut an das Gremium heranzutreten,
welches vom OCVG in der Argumentation zitiert wurde und oberste
Entscheidungskompetenz besitzt: die nächste CVV – sie fand von 1. – 4. Mai
1997 in Wien statt.
Unsere Zielsetzung war unverändert und wurde erneut in zahlreichen Diskussionen und in
schriftlicher Form präsentiert: Lösung der causa prima im Rahmen der
Verbindungsautonomie und auf dem Boden des ÖCV Rechtes. Es gab weiterhin
keine bessere juristische Konstruktion als den bereits bei der CVV 1981
von e.v. Austria Innsbruck und Danubia eingebrachten „Antrag 17“: die CVV
möge beschließen, dass „Männern und Frauen die Mitgliedschaft in
Verbindungen offen steht“ (CO § 22/2). Der letztliche Aufnahmebeschluss
ist gemäß den Geschäftsordnungen in den Verbindungen d.h. in deren
Autonomie vorzunehmen.
Das inzwischen schon lange gehegte Ziel lag wieder zum Greifen nahe. Wenngleich in der Kurie
der aktiven Verbindungen kaum eine Bewegung in der Meinungsbildung
gegenüber früher zu erkennen war, zeigt die Kurie der Altherrnschaft mehr
Verständnis für eine „diplomatische Lösung“ für die Mitgliedschaft von
Studentinnen im ÖCV. Vorallem die Gespräche mit namhaften Cartell- und
Bundesbrüdern nährten die Hoffnung auf einen freien Weg zur Beteiligung
von Männern und Frauen am Verbindungsleben entsprechend der
zeitgemäßen gesellschaftspolitischen Relevanz. Die in der Sitzung selbst
anwesenden Delegierten sahen dies letztlich nicht so. Nicht einmal die
überzeugenden und persönlich engagierten Wortmeldungen von Bundes- und
Cartellbrüdern mit hoher Anerkennung im wirtschaftlichen und
gesellschaftlichen Bereich - die Bbr.Dr. Alois Mock und Dr. Hermann
Withalm und eine große Anzahl der dem Verband angehörenden
Universitätsprofessoren - ließen für den Hauptantrag eine Mehrheit
erwarten. Norica zog daher den Antrag auf „Mitgliedschaft von Frauen und
Männer im ÖCV“ zurück und brachte nur einen Zusatzantrag zur Abstimmung.
Dem zur Folge hätten Damen nur als Probemitglieder (Fuchsen) in der Norica
aufgenommen werden können. Sie hätten als Fuchsen keine Rechte bzw.
Funktionen im ÖCV. In weiteren Gesprächen sollte über die rechtliche
Integration mit den Vertretern des Verbandes verhandelt werden. Die
Abstimmung brachte nicht einmal für diesen Antrag eine Mehrheit, wobei
besonders die aktiven Verbindungen mit 40 Gegenstimmen entscheidend waren.<7p>
Das Angebot der Integrationsgegner, dass Cartellbrüder durch Änderung des § 39 CO auch
Mitglied einer gemischt geschlechtlichen befreundeten Verbindung (z.B. der
Norica Nova) sein dürfen, war kein ernsthafter Kompromiss.
Bewährte Basis neu
gefestigt
Um seitens Norica und Norica Nova das mit Vertretern des ÖCV schon bisher rechtlich
accordierte Verhältnis zum Verband zu bestätigen, schloss die KaV Norica
und die KaV Norica Nova ein Kooperationsabkommen (BC vom 16.10.97,
Altherrentag vom 13.11.97) über die Art der Zusammenarbeit:
1. Norica und Norica Nova sind zwei rechtlich eigenständige Verbindungen, die nach
getrennter Willensbildung vereinsrechtlich einzeln entscheiden.
2. Im gemeinsamen Verbindungsleben (Programmgestaltung, Nachwuchswerbung, ...)
fördern sie die Entwicklung der Persönlichkeit ihrer Mitglieder im Sinne einer christlich
aufgeschlossenen Weltanschauung auf der Grundlage der 4 Prinzipien des ÖCV.
3. Die Vollintegration von Studentinnen in die Norica ist weiterhin Ziel.
Das Kooperationsabkommen fand verständlicherweise nicht die Zustimmung aller
Verbindungen. Unverständlicher Weise folgten weitere Aktionen um den Weg
der Norica zu behindern. Es sollte die nunmehr in rd. 20 Jahren
entwickelte Zusammenarbeit zwischen Noriva und Norica Nova nicht gelebt
werden können, obwohl andere Verbindungen nicht beeinträchtigt oder
behindert werden. Dabei zeigt ein Blick in die gegenwärtige
Gesamtsituation des ÖCV , dass das Thema Integration von Studentinnen
zunehmend weniger ein Anliegen der Norica bzw. einzelner Verbindungen ist.
Aus Meinungserhebungen und Abstimmungsverhalten wird deutlich, dass die
Zustimmung zur Integration mitunter bereits von einer relativen Mehrheit
getragen wird. 62 % der Altherrenschaft wollen die Verbindungen selbst
über die Aufnahme von Studentinnen entscheiden lassen (Academia 3/2000).
Die rechtliche Wirksamkeit bedarf allerdings einer qualifizierten Mehrheit
von 2/3 aller Stimmberechtigten. Die „causa prima“ – nunmehr „causa prima
maiorum“ lässt sich nicht mehr ignorieren oder totschweigen.
Die CVV 2000 hat als nächsten Schritt eine Kommission eingesetzt und beauftragt,
die Gliederung des Verbandes in mehrere Sektionen zu prüfen. Nach
umfassenden Vorarbeiten und Sondierungen in Verbindungen und Ortsverbänden
durch Cbr. Dr. Binder NdW und seinem Team kam auf der CVV 2001 das
„Säulenmodell“ zur Diskussion und Abstimmung:
Modell A: 3 Säulen Der ÖCV besteht aus männlichen, weiblichen und gemischten
Verbindungen.
In einem Minderheitenvotum war vorgesehen, dass die
männlichen Verbindungen mit einfacher Mehrheit einzelne Themen der
Beschlussfassung durch weibliche oder gemischte Verbindungen entziehen
können. Die männlichen Verbindungen hätten dann alleine abgestimmt.
Modell B: 2 Säulen Der ÖCV besteht aus männlichen und weiblichen Verbindungen.
Auch hier wäre ein Minderheitenvotum vorgesehen gewesen.
Aktivitas und Altherrenschaft können nur gemeinsam in einer Sektion sein. Mitglieder
sind nicht die Verbindungen, sondern die einzelnen Cartellbrüder. Sind
Mitglieder mit der Zugehörigkeit zu einer Sektion nicht einverstanden,
können sie ohne Hindernis als Urmitglied zu einer anderen Verbindung
wechseln. Der ÖCV hätte - vergleichbar mit dem schweizerischen
Studentenverband – eine Holdingfunktion. Die Abstimmung zu Modell A / 3
Säulen brachte zwar keine gültige Beschlussfassung, aber eine relative
Mehrheit der Delegierten (52 pro-Stimmen 51 contra-Stimmen).
Mit diesem Ergebnis hat die ursprünglich hoffnungsvoll auf eine Lösung gerichtete
Arbeit der Kommission von Cbr. Dr. Binder letztlich den Status quo im
Verband gefestigt. Die Integrationsgegner haben einmal mehr einen
Kompromiss verhindert und ihre Position mit den bekannten Methoden
gesichert.
Die KaV Norica und die KaV Norica Nova werden daher weitere Energien in die
Zukunft unserer eigenen gemeinsamen Verbindungen investieren. Auf der
Basis des Kooperationsabkommens nutzen wir den für uns erreichten Freiraum
und zeigen, dass für uns die Zukunft weitergeht. Die Prinzipien des ÖCV „scientia,
patria, religio und amititia“ standen für uns bisher nicht in Frage und
werden auch weiterhin oberste Handlungsmaxime sein. Auf dieser
gefestigten und gleichzeitig lebendigen Basis sehen wir die Zukunft
unserer KaV Norica im ÖCV.
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